Dienstag, 10. Juli 2012

Challenge Roth - Welcome to the Challenge Family

Wie der Läufer einmal im Leben nach Biel muss, muss der Triathlet einmal im Leben nach Roth, hatte ich mir vor einem Jahr gesagt und mich kurzentschlossen für die Challenge Roth angemeldet. Ich hatte auch nicht lange Zeit, um zu überlegen, ob ich mich anmelden wollte oder nicht, den die Veranstaltung war offiziell innert 24h ausverkauft.
Die Zeit läuft jeweils dann schneller als einem lieb ist und schon bald dauerte es nur noch 3 Monate bis der Event vor der Tür stand. Nachdem es im April oft regnerisch war und ich auch noch eine starke Erkältung erwischte, blieb mir für die Fahrradvorbereitung am Schluss nur noch zwei Monate Zeit. Im Mai und Juni verbrachte ich dann fast jede freie Minute auf dem Rennvelo. Irgendwie konnte ich es mir nicht vorstellen, wie ich die 3,8km Schwimmen, 180km Radfahren und 42km schaffen sollte.
Am letzten Freitag war es dann soweit und Philippe und ich packten unsere Sachen und fuhren am Mittag mit dem Auto los mit dem Ziel gleichentags in Roth meine Startnummer abzuholen und an der Nudelparty teilzunehmen. Ein Autounfall 50km vor dem Ziel führte dazu, dass wir mit über 2h Verspätung um 21:00h statt um 18:30h da ankamen. Also keine Startunterlagen mehr abholen und die Nudelparty war auch schon vorbei. Das fing ja gut an. Wir trafen uns dann mit Johanna, einer ehemaligen Arbeitskollegin von Siemens Schweiz, welche in der Zwischenzeit wieder für Siemens Deutschland arbeitet und gönnten uns eine feine Pizza in Roth.
Anschliessend ging es nach Freystadt, wo Johanna und Gerd wohnen und sie uns ein Zimmer im Hotel Pietsch reserviert hatten. Mit den beiden nahmen wir noch einen Schlummerdrunk, bevor wir müde von der Reise schlafen gingen.
Am Samstag holten wir dann die Startnummer, besichtigten die Expo und checkten das Rad in der ein paar Kilometer vom Zielgelände entfernten Wechselzone ein. Anschliessend blieb uns eigentlich noch genügend Zeit für eine Stadtbesichtigung in Nürnberg. Wir stellten unser Auto beim nahegelegenen Park and Ride ab, doch der nächste Zug in die Stadt fuhr erst 1 1/2h später, was uns etwas befremdete. Aber scheinbar herrschen in Deutschland ganz andere Verhältnisse betreffend öffentlichem Verkehr als in der Schweiz. Die Zeit reichte dann doch noch, um uns die Stadt anzuschauen. Am Abend gab es nochmals Pasta mit Johanna und Gerd im Hotel Pietsch. Bis ich im Bett war war es kurz vor 23:00h.
Am Sonntag klingelte der Wecker erbarmungslos um 03:45h. Das Hotel bot mit Frühstück um 04:00h einen Super-Service. Um 5:00h machten wir uns mit dem Auto auf zur Wechselzone. Auf der Strasse zwei oder drei Kilometer vor der Wechselzone war schon recht was los, mussten doch über 3000 Athleten zum Start gebracht werden. Philippe lud mich kurz vor der Wechselzone aus. Es war ein herrlicher Morgen mit strahlend blauem Himmel. Ich ging nochmals zu meinem Fahrrad und brachte die gefüllten Bidons an. Anschliessend mussten wir den Beutel mit den Bike-Sachen vor dem Wechselzelt deponieren und uns für den Schwimmstart bereit machen. Der Frauenstart war um 06:45h nach den Pros und anderen schnellen Startern. Kaum war ich im Wasser, ging der Startschuss los. Nun hiess es 3,8km Schwimmen im Kanal. Für einmal ging diese Disziplin ohne grössere Positionskämpfe über die Bühne, trotzdem schien mir, dass ich eine gefühlte Ewigkeit im Wasser war. Ich forcierte beim Schwimmen bewusst nicht zu sehr, da ja noch das Radfahren und das Laufen auf mich warten würden. Nach 1h17m entstieg ich dem Wasser. Eine sehr nette Helferin half mir im Wechselzelt mich für das Radfahren bereit zu machen. Sie legte alle meine Sachen aus und fragte mich, was ich alles brauche. Mein nasser Neopren kam dann in diesen Beutel. Beim Ausgang zum Wechselzelt wurde man noch mit Sonnencreme besprüht. Anschliessend fasste ich mein Rennrad machte mich auf die Radstrecke. Zwei Runden à 90km würden hier zu absolvieren sein. Leider machte mir schon bald der starke Wind zu schaffen, als Gegenwind war es eine heftige Bremse und als Seitenwind sehr unangenehm mit meinen Hochprofil-ZIPP-Rädern. Das Fahren mit diesen Rädern hatte ich natürlich im Training nie bei stärkerem Wind geprobt. So hielt ich mich aus Sicherheitsgründen öfter als mir lieb war am normalen und nicht am Aero-Lenker. Als ich Philippe auf der Strecke sah, machte ich einen kurzen WC-Halt und sagte ihm, er solle mir das Vorderrad seines Rennrades geben. Mein Stolz liess das dann doch nicht zu und zum Glück hatte ich es auch nicht gewechselt, wie sich später heraussstellen würde. Nach etwa 3h war ich erstmals am Solarer Berg und wollte dort die Stimmung geniessen. Das Publikum feuerte da die Teilnehmer frenetisch an und liess nur noch einen Durchgang von 1m Breite frei. Drei testosterongeschwängerte Deppen von Triathleten mussten mich just auf diesen 200m überholen, so dass ich fast vom Rad geflogen wäre. Eine andere unangenehme Erfahrung war, das Überholtwerden bei den Verpflegungsposten, wo mir einmal eine Person das leere Bidon ans Hinterrad geworfen hat und sich anschliessend vorne reingedrängt hat, um vor mir eine neue Trinkflasche zu erhaschen. Im Grossen und Ganzen verhielten sich die über 3000 Athleten auf der Strecke jedoch fair und die Stimmung war gut. Nicht selten ruften mir Teilnehmer aus der Schweiz "Hopp Schwiiz" zu, da die Nationenflagge auf der Startnummer abgebildet war. Auch die Schiedsrichter-Töffs waren sehr aktiv und bestraften windschattenfahrende Radfahrer mit Zeitstrafen, waren doch öfters Leute in den Penalty-Boxen zu sehen. Nach etwa 140km Radfahren verzogen sich alles Wolken und es wurde heiss. Mein Fusssohlen begannen zu brennen in den Radschuhen, also goss ich Wasser aus meinem Bidon darüber, was mir eine gewisse Erleichterung verschaffte. Die 180km wollten nicht enden, doch irgendwann nach langen 6h27m erreichte ich die Wechselzone. Die Helfer nahmen einem hier das Rad ab und man fasste seinen Laufbeutel. Im Wechselzelt tauschte ich meine Rad- gegen meine Laufschuhe. Nun war ich also auf der Laufstrecke. Der für den Nachmittag angesagte Regen blieb aus und das Laufen fand bei Hitze statt. Zuerst ging es auf der einen Kanalseite zu einem Dorf. Dort liess ich mich von einem Zuschauer mit einem Schlauch komplett abduschen. Das tat unheimlich gut. Auf dem Rückweg machte ich noch einen kurzen Abstecher auf ein Dixie-Klo. Ich trabte anschliessend von Verpflegungsstelle zu Verpflegungsstelle, die es etwa alle 2,5km gab und gönnte mir beim Trinken jeweils eine Gehpause. Irgendwann war die halbe Laufdistanz geschafft und es ging auf der anderen Kanalseite weiter. Viele Teilnehmer begannen jetzt immer wieder zu marschieren, weil sie nicht mehr joggen konnten. Ich zog mein Ding durch und überholte immer wieder Athleten. Trotz zunehmender Erschöpfung hatte ich mich mental gut im Griff und konnte die letzten zwei Kilometer bis zum Ziel sogar noch in einem 4m40s-Schnitt zurücklegen und brauchte für die dritte Disziplin schliesslich 4h08m. Nach genau 12h war das Abenteuer geschafft. Auch wenn ich zu Philippe während dem Rennen sagte, dass dies meine letzte Langdistanz wäre, bin ich mir nun nicht mehr sicher, ob das so bleiben wird. Das Leiden vergeht, die Freude über die erbrachte Leistung bleibt!
Leider war Philippe nicht im Ziel, als ich da eingetroffen bin, da ihm sein Rennrad auf der Laufstrecke gestohlen wurde, als er es kurz ausser Acht liess um Fotos zu machen. Er musste dann zu Fuss zurücklaufen. Zum Glück hatte ich mein ZIPP-Vorderrad nicht mit seinem getauscht, sonst wäre der Schaden noch um über 1000 CHF höher ausgefallen. Es ist wirklich jammerschade, dass sich an solchen Veranstaltungen immer wieder Leute unrechtsmässig über Diebstahl bereichern, sei es in der Wechselzone oder an der Strecke.
Am Abend gab es nochmals ein feines Nachtessen mit Johanna und Gerd, bevor wir dann müde und erschöpft ins Hotelbett fielen. Am Montagmorgen erledigten wir noch ein paar Einkäufe und gönnten uns ein Gelati beim Italiener, bevor wir nach Hause fuhren.

Kommentare:

  1. Hello Ursi

    Gratulation für die exzellente Leistung.

    Rudi

    AntwortenLöschen
  2. Meine Heldin! Schöner Bericht, ich litt richtig mit und kann mir nicht vorstellen, wie man nach 180km Rad den Marathon noch so schnell laufen kann! Das mit Philippes Rennrad ist ja unglaublich, es ist schon übel, wenn man seine Sachen nicht mal 2-3 Min aus den Augen lassen kann! Erhol Dich gut!

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Ursi
    Tolle Leistung. Wie ein Ührli läufst Du! Unglaublich nach so vielen Radkilometern!
    Schapo
    Bedi

    AntwortenLöschen
  4. Hallo zusammen! Danke für die Gratulationen! Betreffend Rennvelo von Philippe haben wir Good News: Ein etwas übereifriger Zeitgenosse hat das für ihn herrenlose Fahrrad bei der Polizei in Roth abgeliefert. Dank dem montierten und registrierten Garmingerät konnten wir ausfindig gemacht werden. Es scheint, dass mit dem Rennvelo alles in Ordnung ist, abgesehen von einem Plattfuss, weil es etwas lange in der Sonne stand. Ein Polizist aus Roth soll demnächst in die Schweiz reisen, weil er hier eine Wohnung hat und will das Fahrrad mitnehmen.

    AntwortenLöschen